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Original by Sabazius (http://hermetic.com/sabazius/ozgloss.htm) Translation by: Eychhorst / PeS


Betrachtungen zum Liber Oz

„Wie schrecklich“

– Magick mit / ohne Tränen, Kapitel 72 –
Copyright © 1997 Ordo Templi Orientis U.S.A. All rights reserved.
Überarbeitet: April 2001

Aleister Crowley schrieb das Liber Oz 1941 für Louis Wilkinson (Alias Louis Marlow), basierend auf einem Abschlussvortrag, den er um 1916 hielt. Sein ursprünglicher Titel dafür war: „Das Buch der Ziege“. Er betrachtete es als eine Art Manifest für den O.T.O.. In einem Brief an G. J. Yorke am 30. August 1941, beschrieb er dieses als: „O.T.O. – Plan, lediglich in einsilbigen Worten verfasst“, und in einem weiteren Schreiben vom 13. September 1941, schrieb er: “ ‚Die Rechte des Menschen‘ ist ein historisches Dokument. Die Einzelteile lassen sich nicht leicht an dem Baum anbringen; aber ich habe sie nach unten bekommen, auf fünf Sektionen: moralische, körperliche, psychische, sexuelle Freiheit, und den sicheren Tyrannenmord … In allem – 160 Worte.“

Das hebräische Wort OZ vermittelt eine Reihe von Bedeutungen. Im weitesten Sinne bedeutet es „Stärke“. Ezz bedeutet „eine Ziege.“ Als betontes ‚ahs‘ bedeutet es „stark, mächtig“; aber wenn (die Aussprache) etwas länger gehalten wird, bedeutet es: „Zuflucht zu nehmen.“ Die (hebräischen) Buchstaben Ayin und Zayin adieren sich zu 77, eine Zahl, der auch Worte wie BOH „betete“; und MZL, „Der Einfluss von Kether“, besser bekannt und übersetzt mit „Glück“, zugehören.

Diejenigen von uns, welche diese bemerkenswert einfache und poetische Aussage der natürlichen Rechte der Menschheit bereit sind zu akzeptieren, sollten es tiefgründig und häufig ansehen, da es sowohl unsere Stärke als auch unsere Zuflucht ist.
Und wenn unsere Gebete glühender werden und unser Glück anhält, kann uns nichts und niemand den Hintern versohlen. Die Vier Mächte / Kräfte (english: ‚powers‘) der Sphinx können uns dabei sehr hilfreich sein und folgende Einschränkungen sogar von großem Nutzen.

    1. Das Liber Oz hat für Männer und Frauen die gleiche Gültigkeit. Sobald Du das Liber Oz akzeptierst, hast Du Anspruch auf diese Rechte, wie auf Deine eigenen; und Du erkennst auch an, dass sie zu jedem anderen Mann und jeder anderen Frau gehören. Sie sind nicht nur für Dich und nicht nur für Thelemiten. „Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern.“ Sobald wir das Liber Oz akzeptieren, stimmen wir darin überein, die Rechte anderer nicht zu verletzen. (Obwohl wir nicht unbedingt verpflichtet sind, in Ausübung dieser Rechte, zwangsläufig mit jeder Person auskommen zu müssen). Crowley sagt in Kapitel 49 von: ‚Magie mit / ohne Tränen‘, dass „Wer die Rechte anderer verletzt, hat den eigenen Anspruch auf Schutz in dieser Sache verwirkt.“ Wenn Du anderen diese Rechte verweigerst, hast Du die Existenz dieser Rechte verweigert; und so gehen sie Dir verloren. Das Recht, welches Du anderen streitig machst, kannst Du selbst nicht in Anspruch nehmen. Auch wenn man das Recht hat, „zu lieben, wie er will“, muss ein anderer noch lange nicht den Willen haben, sich an dieser Liebe zu beteiligen. Das Liber Oz rechtfertigt keine Vergewaltigung.
    2.  

    3. Das Liber Oz übernimmt keine Garantie. Crowley - Magier for Liber Oz (A) Das Liber Oz gewährt uns nicht die Kraft oder die Fähigkeit, eines der Rechte das es beinhaltet, auszuüben. Ein Mensch mag das Recht haben, „zu zeichnen, zu malen, zu schnitzen, zu ätzen, zu formen, zu bauen wie er will“. Aber, das Liber Oz kauft ihm nicht die Mittel, um die Kunst zu liefern, noch gibt es einem Talent, wo es fehlt. Er kann in der Tat das Recht haben, „zu trinken, was er will“, aber das Liber Oz gibt ihm nicht die Möglichkeit, ein Auto sicher zu fahren, Maschinen sicher zu bedienen oder betrunken ein Ritual auszuüben. (B) Das Liber Oz bietet keinen Schutz vor den Konsequenzen und Auswirkungen der Ausübung der natürlichen Rechte. Das Recht eines Menschen, „zu ruhen, wie er will,“ schützt ihn nicht vor dem Verlust seiner Existenzgrundlage. Sein Recht, „zu essen, was er will“, immunisiert ihn nicht vor Vergiftung oder Übergewicht. Sein Recht, „zu sprechen, was er will“, schützt ihn nicht vor Kritik, Spott, Klage oder den Verlust der Freundschaft. Sein Recht, „zu lieben, wie er will“, wird ihn nicht von Vaterschaft befreien. Und sein Recht, „jene zu töten, die ihm diese Rechte streitig machen wollen.“, wird ihn nicht vor Vergeltung, Haft oder der Höchststrafe* bewahren. (C) Das Liber Oz gibt keine Garantie, dass die Ausübung dieser Grundrechte in Erfolg, Glück, Erfüllung und Zufriedenheit gipfeln oder überhaupt zu einem anderen „positiven“ Ergebnis führen.
    4.  

    5. Das Liber Oz befreit uns nicht von unserer Verpflichtung. Das Liber Oz rechtfertigt keine Lügen oder unsere Versprechen nicht einzuhalten. Vielmehr ist es notwendig, unseren Vereinbarungen und unserer Verantwortung gerecht zu werden.

Mit diesen Einschränkungen im Hinterkopf, genieße Deine Rechte. Trainiere in Deinem Bestreben, Deinen wahren Willen zu entdecken und dann übe ihn aus. Wenn nötig, kämpfe für Deine Rechte und für die Rechte aller Männer und Frauen.


* ‚Höchststrafe‘ wurde gewählt, da es in Deutschland keine Hinrichtung / Todesstrafe mehr gibt. Im Original heißt es stattdessen: ‚retribution, imprisonment, or execution‘, was ‚Vergeltung, Haft oder Hinrichtung‘ bedeutet. (Anm. des Übersetzers)


Translated on 30.01.2015 / Original by Sabazius / Quelle: http://hermetic.com/sabazius/ozgloss.htm